Sprungmarken

Jüdisch? Trierisch! – Stadtgeschichten

Jüdisch? Trierisch! – Stadtgeschichten. Ausstellung vom 19.03.2021 bis 13.05.2021.
Jüdisch? Trierisch! – Stadtgeschichten. Ausstellung vom 19.03.2021 bis 13.05.2021.

In 2021 jährt sich das Edikt des Kaisers Konstantin, das Juden den Zugang zu Ämtern der Stadtverwaltung Köln erlaubte, zum 1700. Mal. Die erste schriftliche Überlieferung der Judengemeinde in Trier stammt aus dem Jahr 1066 und wirft einen tiefen Schatten auf die Geschichte der Juden in der Stadt. Es geht nicht wie in Köln um die Gleichstellung. Im Gegenteil! Erzbischof Eberhard wollte die Juden aus der Stadt vertreiben, „sofern sie sich nicht am Sabbat vor Ostern taufen lassen“, können wir in der Gesta Treverorum lesen. 30 Jahre später, während des Ersten Kreuzzuges, ist es in den rheinischen Städten und so auch in Trier zu einem schweren Pogrom gekommen. Der Schatten erstreckt sich über das Mittelalter mit weiteren Verfolgungen und Vertreibungen bis zum modernen Antisemitismus, der 1933-1945 seinen Höhepunkt erreicht hat. Der Schatten beeinflusst bis heute unser kollektives Gedächtnis.

Das Festjahr 2021 wurde aber ins Leben gerufen, um uns von diesem Schatten, soweit es möglich wird, zu befreien und um wieder mit Neugier in die jüdische Vergangenheit der Stadt zu schauen. Daher bietet die Wissenschaftliche Bibliothek der Stadt Trier eine besondere Ausstellung zum Festjahr „Jüdisch? Trierisch! – Stadtgeschichten“, um die Aufmerksamkeit von den Pogromen und Vertreibungen Richtung Bücherkultur, Kochkunst und Sterne zu steuern. Ein buntes jüdisches Leben jenseits des Antisemitismus.

Zu Beginn des Jahres wurden Journalisten befragt, welche kleinen Schritte sie sich erhoffen, um den jüdischen Nachbarn besser kennenzulernen. Ein Vorschlag war, die jüdischen Feiertage in den Kalender einzufügen. Das wurde in Trier schon vor über 100 Jahren gemacht. Das jüdische Unternehmen Gebrüder Maas & Comp. hatte für das Jahr 1891 (beziehungsweise 5651 und 5652 nach jüdischer Zeitabrechnung) einen Kalender für Stadt und Land herausgebracht, wo das jüdische Jahr sowie Feiertage (samt Termine des Passahs) bis 1900 bekannt gegeben wurden. Zusätzlich wurden die Feste markiert, die streng gefeiert werden, um den jüdischen Nachbarn an diesen Tagen höflicherweise nicht zu stören. Wenn ich an meine wenigen jüdischen Bekannten denke, wäre es tatsächlich eine schöne Geste, ihnen am richtigen Zeitpunkt ein fröhliches Chanukka statt automatisch frohe Feiertage zur Weihnachtszeit zu wünschen. Das war mit Hilfe des Kalenders der Druckerei Maas & Comp. schon einmal in Trier möglich.

Das Judentum ist die Kultur des Wortes und des Interpretierens und es ist kein Zufall, dass viele Schriftsteller, Dichter aber auch Wissenschaftler bis zu den Nobelpreisträgern jüdische Wurzel haben. Wenn wir in die Geschichte Triers zurückblicken, gibt es Autoren wie z.B. den Revuedichter und Komponist Louis Scheuer, die das kulturelle Leben enorm prägten. Auch in anderen Bereichen der Literatur waren die Jüdinnen und Juden aus Trier als Verfasser und Verleger tätig und manche Werke haben bis heute an ihrer Aktualität nichts verloren. Der schon oben genannte Verlag Maas & Comp. hatte 1891 ein Buch des Rabbiners und Historikers Adolf Lewin veröffentlicht. Dort lesen wir Worte, die als Motto des Festjahres 2021 perfekt passen: „Gebt Euch die kleine Mühe, – sie dürfte nach manchen Seiten auch nicht ohne Gewinn für Euch bleiben – seht Euch die deutschen Juden, ihr Haus, und ihr Leben ein wenig in der Nähe an.

Um diesem Wunsch entgegen zu kommen, zeigt die Wissenschaftliche Bibliothek der Stadt Trier zwischen dem 19.03.2021 und 13.05.2021 die Ausstellung: „Jüdisch? Trierisch! Stadtgeschichten“. Die Ausstellung kann man täglich (außer montags) zwischen 10 und 17 Uhr besichtigen. Vor dem Besuch ist eine Anmeldung erforderlich. Der Eintritt ist frei. Die Anmeldung erfolgt entweder per E-Mail oder telefonisch: 0651/718-4423. Anmeldungen können bis Donnerstagnachmittag entgegengenommen werden. Die Kontaktdaten der Besucherinnen und Besucher werden erfasst und das Tragen einer medizinischen Schutzmaske ist verpflichtend.